Humboldt Seeds | Ben Lind

© 2026 Erik Seidel, foodadvisorblogCredit to Chris Romaine @KandidKush | Humboldt Seed CompanyCredit to Chris Romaine @KandidKush | Humboldt Seed Company

Ben Lind, Chief Science Officer bei Humboldt Seed Company, beschäftigt sich bereits seit mehr als 12 Jahren intensiv mit Anbau und Züchtung von Cannabis in Nordkalifornien.

Sein frühes Interesse, speziell an der Cannabisgenetik, wurde ihm von seiner Familie mitgegeben, insbesondere von seiner Tante. Sie war diejenige die einige der ersten Sorten entwickelte, die in Pennsylvania im Freien angebaut werden konnten.

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Sein spezielles Interesse an der Züchtung und Erhaltung alter Landrassen, begründet sich in seinem Studium. Während seiner Zeit an der University of Pennsylvania, war er als Paläoökologe in der Mongolei für das Smithsonian unterwegs. Durch seine Forschungen an alten Grabstätten lernte er, wie bereits “primitive“, besser Ur-Völker Cannabis anbauten, lagerten und verwendeten.

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Dies weckte seine Leidenschaft für die Erhaltung dieser Sorten und auch sein Interesse daran, alte Genetiken als Grundlage für die Züchtung der Sorten der Zukunft zu nutzen. Die Erhaltung von den genetischen Fingerabdrücken aus einzigartigen Bioregionen wie Jamaika und Südafrika ist zu einem besonderen Schwerpunkt geworden.

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Die Einführung der von der Humboldt Seed Company entwickelten strengen Analyseprotokolle in aufstrebenden Märkten auf der ganzen Welt, sowie die enge Zusammenarbeit mit internationalen politischen Entscheidungsträgern sind weiterhin Ben`s Hauptaugenmerk.

Nichts desto trotz bringt er sich zudem auch bei der Entwicklung stabiler – oft preisgekrönter Saatgutlinien – ein, die die Grenzen dessen, was wir für möglich halten, hin und wieder „sprengen“ – und hier einzigartige Terpene auch ganz oben „auf dem Wunschzettel“.

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Ben strebt eine Sicht an, bei der Cannabis weltweit für seine wichtige Rolle in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft anerkannt wird.

[Erik]: Hallo Ben, Du bist mein erster Interviewpartner auf der Mary Jane 2025 – es ist toll, dass Du trotz des Messestarts Zeit gefunden hast, mir ein wenig über die Humboldt Seed Company und insbesondere über Terpene zu erzählen.

[Ben]: Hallo Erik, ich freue mich, Dich kennenzulernen.

[Erik]: Zunächst einmal möchte ich Dir meinen aufrichtigen Dank aussprechen. Ich weiß es wirklich zu schätzen, dass Du Dir die Mühe gemacht hast, speziell für mich Terpene aus deiner Sorte Blueberry Muffin in Deinem privaten Garten zu extrahieren!

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[Ben]: Erik, das hat mir wirklich Spaß gemacht – es ist für mich zu einem echten Hobby geworden, auf biologisch schonende Weise hochwertige Terpene aus meinen persönlichen Lieblingssorten zu extrahieren.

[Erik]: Das merkt man bei Eurem „Blueberry Muffin Terpene” wirklich. Ich beschäftige mich jetzt seit einigen Wochen mit Terpenen, und alles, was ich bisher probiert habe, kommt in puncto Intensität, Körper und Qualität nicht an Dein „Hobbyprodukt” heran.

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[Ben]: Natürlich achte ich sehr darauf, das Beste aus unseren Sorten herauszuholen – das ist zwar zeitaufwändig, aber man sieht am Produkt, dass sich die Mühe lohnt.

[Erik]: Das ist wohl wahr – Dein Blueberry Muffin Terpen duftet fast stärker nach Blaubeeren als die Beeren selbst, ohne dabei künstlich zu wirken wie einige andere Terpene auf dem Markt. Wie genau hast Du es extrahiert – aus frischen, gefrorenen oder getrockneten Knospen?

[Ben]: Ja, es ist ein fantastisches Terpenprofil. In Deinem Fall habe ich das Terpen „Blueberry Muffin”, dass sehr mild und biologisch ist. Wir extrahieren die Terpene aus den frischesten „noch lebenden Knospen“ mit dem gleichen Verfahren, das auch zur Extraktion anderer ätherischer Öle, wie beispielsweise Lavendel verwendet wird. Sanfter Dampf und geringe Hitze sind dabei die beste Methode.

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[Erik]: Wow, das klingt nach einem gut durchdachten Ansatz. Ich werde mir einige interessante, aber einfache Rezepte ausdenken, aber nicht nur Desserts, Getränke oder Cocktails – die natürlich auch –, sondern ich möchte zunächst mindestens ein herzhaftes Gericht kreieren.

[Ben]: Ich bin gespannt, was Du mit dem Blueberry Muffin-Terpen machst. Halte mich bitte auf dem Laufenden.

[Erik]: In Ordnung, das werde ich tun.

Ben, die Humboldt Seed Company wurde 2001 gegründet, das heißt, Ihr könnt nun auf fast 25 Jahre Erfahrung zurückblicken, richtig?

[Ben]: Das ist richtig – wir hatten viel Zeit, uns auf das zu konzentrieren, was richtig und wichtig war.

[Erik]: Eure Anfänge lagen im Bereich der medizinischen Anwendungen – wann begann ungefähr das globale Geschäft mit dem Freizeitmarkt?

[Ben]: Die Wurzeln reichen bei uns tief. Ich habe schon als Kind von meinen Tanten und Onkeln, die sich sehr gut mit der Pflanze auskannten, etwas über Cannabis gelernt. Mit Prop 64, Kaliforniens neuester Version der Legalisierung im Jahr 2016, kam unsere globale Expansion.

Die Humboldt Seed Company war schon seit einiger Zeit international auf dem Radar, aber zu diesem Zeitpunkt konnten wir die internationale Expansion endlich verwirklichen.

[Erik]: Stimmt es, dass Ihr momentan Kaliforniens größter lizenzierter Anbieter von Cannabissamen seid?

[Ben]: Ja, und das erfüllt uns natürlich mit Stolz.

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[Erik]: Ihr habt viele hochwertige, preisgekrönte Saatgutlinien in Ihrem Portfolio – welche sind neben Blueberry Muffin Deine Lieblingssorten?

[Ben]: Mmmh, das ist nicht so einfach, wenn man zusätzlich zum Tagesgeschäft jedes Jahr mehrere hundert neue Sorten kennenlernt. Aber natürlich habe ich ein paar Favoriten – unsere California Octane Triploid und Hella Jelly Autoflower sind für mich derzeit zwei der herausragendsten Sorten.

[Erik]: Wie bist Du zur Saatgutveredelung gekommen, Ben?

[Ben]: Ich beschäftige mich eigentlich schon seit meiner frühen Jugend mit diesem Thema und der Branche selbst. Ich bin sozusagen in der Cannabisbranche aufgewachsen, und mein Interesse an der Cannabisgenetik wurde in meiner Familie „weitergegeben”.

Die Tatsache, dass gutes Saatgut die Genetik über Jahre, sogar Jahrzehnte hinweg bewahren kann, ist für mich ein ganz besonderer Reiz – und das gilt im Grunde für jede Art von Saatgut, nicht nur für Cannabis.

[Erik]: Hast Du hier einen bestimmten Schwerpunkt?

[Ben]: Ja, die Erhaltung alter Landrassen liegt mir besonders am Herzen. Das war schon während meines Studiums an der University of Pennsylvania so. Damals arbeitete ich als Paläoökologe für das Smithsonian in der Mongolei, was mich nachhaltig geprägt hat.

[Erik]: Dann bist Du sicher viel gereist, oder?

[Ben]: In der Tat – auf meiner Suche nach genetischem Material aus einzigartigen Regionen der Welt war ich beispielsweise bereits in Jamaika, Kolumbien und Afrika.

Credit to Chris Romaine @KandidKush | Humboldt Seed Company

[Erik]: Ich kann Dich nur beneiden – meine Variante wäre hier eine kulinarische Weltreise.

[Ben]: Nun, wenn Du schon unterwegs bist, schaue doch einfach mal bei uns vorbei.

[Erik]:  Vielen Dank für Dein freundliches Angebot – das werde ich gerne tun. Wann hast Du Terpene zum ersten Mal bewusst wahrgenommen? Gab es bestimmte aromatisierte Lebensmittel und Getränke, an die Du Dich erinnern kannst?

[Ben]: Ich bin mir sicher, dass mir Terpene zum ersten Mal unbewusst in Kindersüßigkeiten aufgefallen sind – aber bewusst wurde mir das erst viel später…

[Erik]: Was ist Deiner Meinung nach die beste Grundlage für Aromastoffe – Terpenlösungen, Crumble, Rosin oder frische Blüten?

[Ben]: Das hängt natürlich stark davon ab, was Du aromatisieren möchtest – Terpenlösungen sind sicherlich am vielseitigsten, aber Live Rosin ist auch etwas ganz Besonderes… allerdings ist damit ein Rausch verbunden.

[Erik]: Was sind die Vorteile der Verwendung von Terpenen aus Cannabis als Aromastoffe gegenüber solchen aus Orangen, Tomaten oder Kiefern?

[Ben]: In vielen Ländern ist der Verwaltungsaufwand im Zusammenhang mit Cannabis einfach zu hoch, weshalb Terpene aus anderen Pflanzen gewonnen werden. Außerdem ist der Ertrag deutlich höher als bei der Verwendung von Cannabis als Grundlage.

[Erik]: Glaubst Du, dass Terpene generell die Stimmung beeinflussen können und dass dies beim Würzen von Speisen und Getränken oder darüber hinaus genutzt werden kann?

[Ben]: Das ist interessant, wie man beispielsweise heute einen Laden betreten kann und diesen einen charakteristischen Duft hat. Man verbindet den Ort und/oder das Produkt automatisch mit dem Aroma, da Gerüche so starke Erinnerungen hervorrufen.

Es gibt Hinweise darauf, dass Lavendel beruhigt und Zitrusfrüchte beleben. Viele berichten, dass sich ihre Stimmung verändert, wenn sie dem Duft eines bestimmten Terpens ausgesetzt sind.

Es gibt noch viel zu lernen darüber, wie ein bestimmtes Terpen die Stimmung, die Entspannung usw. beeinflussen kann. Ich halte es für absolut möglich, mit Terpenen in Speisen und Getränken ein besonderes Erlebnis zu schaffen.

[Erik]: OK, das klingt interessant – in gewisser Weise gilt dies auch aus meiner Sicht für Lebensmittel und Getränke. Wie oft verwendest Du aus Cannabis gewonnene Terpene zum Aromatisieren – ist das mittlerweile Teil Deiner täglichen Küche oder ist deren Verwendung noch eher exotisch?

[Ben]: Ich würde nicht sagen, dass ich sie jeden Tag verwende, aber zu besonderen Anlässen ist es eine unterhaltsame Möglichkeit, das Essen zu etwas ganz Besonderem zu machen.

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Kürzlich hatten wir ein fantastisches, mit Terpenen angereichertes Mehrgangmenü, das Chefkoch Chris Ratcliff für unser Abschiedsessen zum Pheno Hunt for Washers-Event in Nordkalifornien zubereitet hat.

Er servierte köstliche Tortellini mit Waldpilzen und Blaubeerpfannkuchen mit Basilikumöl. Die Leute haben noch wochenlang darüber gesprochen – Eigentlich sprechen sie immer noch darüber.

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[Erik]: Insbesondere für die kulinarische Verwendung ist es wichtig, dass sich der Geschmack und das „Verhalten” der Zutaten so wenig wie möglich verändern – schließlich möchte man jedes Mal das gleiche Geschmackserlebnis erzielen.

Inwieweit verändert sich also der „Terpen-Fingerabdruck” der jeweiligen Sorten, je nachdem, ob sie im Freien, in einem Zelt oder mit verschiedenen Anbaumethoden wie Erde, Hydrokultur usw. angebaut werden?

[Ben]: Letztendlich kommt es auf die Genetik an. Im Freien entstehen tendenziell komplexere Profile als in Innenräumen, aber hauptsächlich hängt es von der Genetik der Pflanzen ab, die man anbaut.

[Erik]: Aus meiner persönlichen kulinarischen Sicht sind alle Terpene, die an Limette erinnern, d. h. frisch, anregend und fruchtig wirken, besonders interessant – vor allem für Desserts und Schäume.

Ich persönlich mag das Terpen Citral sehr (das meines Wissens nach in Cannabis eher selten vorkommt, aber beispielsweise in der fruchtigen Afghani-Linie zu finden ist), es scheint mir sogar noch „limoniger” zu sein als Limonen selbst. Aber um ehrlich zu sein, ist Citral im Grunde genommen bereits eine Mischung aus den Terpenoid-Isomeren Geranial (Citral A) und Neral (Citral B), die mich an Süßigkeiten aus meiner Kindheit erinnert.

Mit Eurer noch recht neuen Sorte LIMEZ habt Ihr einen neuen Kandidaten für diese Terpenrichtung auf den Markt gebracht – was hat Euch dazu inspiriert?

© 2026 Erik Seidel, foodadvisorblog | Credit to Chris Romaine @KandidKush | Humboldt Seed Company for the packaging design.

[Ben]: Es ist einfach ein frischer Geschmack und ein frisches Aroma, das weltweit bekannt ist. Wir wollten dem Limetten-Terpenprofil eine frische, neue Note verleihen, und so entstand Limez. Es passt hervorragend zu Limonade, zu fruchtigen Desserts oder auch zu Cocktails & Mocktails.

[Erik]: Hat die triploide Genetik einen Einfluss auf die Qualität und Quantität der enthaltenen Terpene?

[Ben]: Im Allgemeinen nicht – das wäre jedoch ein weitreichendes Thema…

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[Erik]: Das glaube ich auch – Leider ist unsere gemeinsame Zeit für Heute aber auch abgelaufen, sodass wir dieses Thema auf der Mary Jane 2026 diskutieren müssen.

Ich könnte stundenlang mit Dir über Terpene und Lebensmittel sprechen, Ben, aber „die Messe ruft“.

Vielen Dank für Deine Zeit. Ich habe viel Neues gelernt und freue mich natürlich sehr darauf, Dir bei nächster Gelegenheit bei der Extraktion vor Ort zuzusehen.

Auf jeden Fall ist Dein Blueberry Muffin-Terpen das hochwertigste in der Palette der Terpene, mit denen ich arbeiten werde!

Viel Spaß auch weiterhin auf der Mary Jane 2025!

Auf bald, Erik.

Credits

Mein besonderer Dank geht an Jaana Prall, die verantwortlich für die Pressearbeit bei der Humboldt Seed Company zeichnet und ohne deren Zuarbeit diese Zeilen sicher nicht „zusammengefunden“ hätten.

Das Erbe der Mammutbäume – Humboldt Seed Company

© 2026 Erik Seidel, foodadvisorblog

Humboldt County ist für Cannabis das, was Bordeaux für den Wein ist – und mittendrin steht die Humboldt Seed Company (HSC) als Bewahrer und Erneuerer zugleich. Gegründet im Jahr 2001 von Nathaniel Pennington, hat sich das Unternehmen von einer lokalen Züchtervereinigung zur wohl einflussreichsten Genetik-Schmiede der Welt entwickelt (Humboldt Seed Co., o.D.).

Der Erfolg von HSC basiert auf einem fast schon besessenen Fokus auf die Selektion. Durch ihre jährlichen „Phenotype Hunts“, bei denen zehntausende Pflanzen auf lokalen Farmen im Emerald Triangle begutachtet werden, gelingt es dem Team, Genetiken wie die legendäre „Blueberry Muffin“ oder „Humboldt OG“ auf ein Niveau an Stabilität und Terpenreichtum zu heben, das in der Branche seinesgleichen sucht (HSC, 2022). Dabei verliert das Unternehmen nie seine ökologischen Wurzeln: Die Gründer sind bis heute tief in den Naturschutz ihrer kalifornischen Heimat involviert.

Doch HSC ruht sich nicht auf dem Erbe aus. Mit der jüngsten Einführung von triploiden Samen – einer Technologie, die den Ertrag steigert und Pflanzen resistenter macht – hat das Unternehmen bewiesen, dass es die Brücke zwischen jahrzehntelanger Anbau-Tradition und modernster Agrarwissenschaft schlägt (HSC-Blog, 2024). Wer heute von authentischer kalifornischer Cannabis-Genetik spricht, kommt an der Humboldt Seed Company und ihrem unermüdlichen Streben nach botanischer Perfektion nicht vorbei.

Quellen

Die Bildrechte (Credits) der Bilder zur Humboldt Seed Company, die nicht von Foodadvisorblog stammen, liegen bei Chris Romaine @KandidKush, danke dafür.