Alexander Daske, Apotheker & Berater – – arbeitet seit 2019 im Bereich medizinisches Cannabis und konnte dabei Erfahrungen entlang der gesamten pharmazeutischen Versorgungskette sammeln – von der Tätigkeit als Laborleiter in einer Apotheke bis hin zur heutigen Rolle als Inhaber der Christophorus Apotheke in Mannheim.
Mit unserem Team versorgt er Cannabispatienten deutschlandweit und legen besonderen Wert auf eine intensive pharmazeutische Beratung bei dieser komplexen Therapieform. Darüber hinaus entwickelt man in der Christophorus Apotheke eigene Produktinnovationen, insbesondere für Patienten im Schmerzbereich.

Vom Apotheker zum Cannabis-Spezialisten
[Erik]: Hallo Alex, schön, dass du trotz des Trubels der Mary Jane die Zeit für unser Terpen-Interview gefunden hast. Ich hatte ja vorausgeschickt, dass der Fokus bei foodadvisor die kulinarischen Aspekte des Lebens sind. Was nicht bedeutet, dass die Leser vorab nicht auch ein bisschen über Dich erfahren möchten.
Wie bist du zum medizinische Cannabis-Business gekommen, respektive wo bist du erstmalig mit diesem Thema in Berührung gekommen?
[Alex]: Hallo Erik – Also, zuerst einmal bin ich ein traditionell ausgebildeter Apotheker.
Bevor ich mich entschied eine Laufbahn als Pharmazeutischer Berater im medizinischen Cannabisbereich zu starten, war ich in einer auf Cannabis spezialisierten Apotheke tätig – hier habe ich sozusagen erstmalig „Tuchfühlung“ mit dem Thema aufgenommen.
[Erik]: Wie lange bist Du nun insgesamt in der Branche „unterwegs“?
[Alex]: Mittlerweile arbeite ich bereits seit sechs Jahren im medizinischen Cannabisbereich. Dabei macht es mir natürlich auch jede Menge Spaß, als Experte für Produktinnovationen optimale Produkte mit entwickeln zu dürfen.
[Erik]: Wie kann man sich das in etwa vorstellen – sitzt du den Tag über in den Laboren der Apotheken und sinnierst über Innovatives?
[Alex]: Ja, auch das gehört natürlich dazu – als externer Berater bin ich für eine Hand voll Unternehmen der medizinischen Cannabis-Branche tätig.
[Erik]: Okay, das klingt recht umfangreich & interessant.
Das Thema was ich mir herausgepickt habe, ist ja das Aromatisieren von Speisen und Getränken mittels Cannabis-Terpen-Profilen. Der Hintergrund dabei ist für mich, dass es kaum noch Aromen gibt, die wirklich überraschen.
Ob Tonka-Bohne, Bourbon-Vanille oder auch Obst-Sorten, das Meiste hat man schon oft geschmeckt.

Terpene als neue Dimension der Kulinarik
[Alex]: Ja, auch Aromen & Terpene haben „ihre Saison“.
[Erik]: Viele Cannabis-Terpen-Profilen sind bereits gut erforscht und dokumentiert – so können komplexere Aromen-Profile zum Einsatz kommen, die zwar auch Richtungen wie Ananas, Mango, Limone aber auch Pinie aufweisen – jedoch den Gast beim Verkosten ins Grübeln geraten lassen, und dies in erster Linie vollends ohne Rausch.
[Alex]: Ja, es gibt bereits sehr gute Dokumentationen zu Terpenprofilen unterschiedlichster Strains…
[Erik]: Hierbei haben unterschiedliche Unternehmungen, natürlich auch unterschiedliche Ansprüche an die Terpene. Ein Limonadenhersteller möchte für sein Hypes Getränk beispielsweise über mehrere Jahre sicherstellen, dass dieses gleich schmeckt. Hier ist es nicht ganz so wichtig, dass der „ganze Körper“ (wie beim Wein) dabei ist, fehlen ein paar Phenole ist dies nicht tragisch. Entscheidend ist hier Kontinuität.
[Alex]: Was bei einer über mehrere Jahre angelegten Produktion sicher sinnvoll ist.
[Erik]: Ein Sternekoch hingegen treibt es vielleicht soweit, dass er eigens für eine Saison, eine Woche – ja ein Gericht eine limitierte Menge Terpen aus einem ganz besonders seltenen Strain extrahiert. Hier will man – anders als bei der industriellen Produktion – „den ganzen Körper“, die Ecken & Kanten der Aromen bewahren und genießen.
[Alex]: Auch hierfür gibt es sicher ein Publikum, wenn sicher auch zahlenmäßig weniger als bei der Limonade.
[Erik]: Wann hast Du in Dein Leben erstmalig Terpene bewusst wahrgenommen? Gab es da aromatisierte Speisen und Getränke an die Du Dich erinnern kannst?
[Alex]: Ich nehme jeden Tag bei meiner Arbeit in der Apotheke Aromen und Terpene wahr. Ich sehe leider häufig das Problem, dass viele Cannabisblüten zu trocken sind und zusätzlich nicht optimal gelagert werden.
Aus diesem Grund achte ich bei meiner Sortenauswahl für Patienten besonders auf die Restfeuchte und die Frische der Aromen. Von den mittlerweile über 2.000 gelisteten medizinischen Cannabisblüten bleiben unter diesen Qualitätskriterien leider nur noch eine Handvoll wirklich überzeugender Produkte übrig.

Cannabis-Terpene zwischen Natur und Reproduktion
[Erik]: Mit Deinem Hintergrund, Deiner Erfahrung der letzten Jahre, frage ich Dich – ist das Thema der Aromatisierung mit aus Cannabis gewonnenen, respektive „nachgebauten“ Terpenprofilen aus Deiner Sicht im Kommen?
[Alex]: Ja, aber ich sehe hier vor allem den Schwerpunkt darin, möglichst mit Cannabis-derived Terpenen zu arbeiten und diese nur in sinnvollen, natürlichen Konzentrationen von maximal etwa 5 % zuzusetzen. Mit künstlichen oder rein botanischen Terpenen würde ich persönlich nicht arbeiten, da diese unter Umständen auch Reizungen verursachen können.
[Erik]: Alex, Du siehst ja sicher auch einiges an Strains die, was die Vielfalt an Terpen-Profilen angeht, unwahrscheinlich komplex sind – deutlich komplexere Aromen als in den meisten Küchen der Welt zu finden sind. Gängige Aromen wie Bourbon-Vanille, Rum und grüner Tee überraschen nicht mehr wirklich.
Einige der Terpene die ich hier auf der Messe, sagen wir mal “ver-schnuppern“ durfte, dufteten so intensiv – dabei jedoch nicht aufdringlich, dass sich diese sicher auch für raffinierte Parfüm-Kreationen eigen.
[Alex]: Da gibt es einiges hier – Wichtig ist hierbei, dass neben den Terpenen auch andere Aromastoffe wie beispielsweise Thiole oder Flavonoide zur Gesamt-Aromatik beitragen. Insgesamt gilt, dass es sowohl aktivierende als auch eher beruhigende Terpene gibt. Entscheidend ist letztlich, die passende Sorte für den jeweiligen Patienten zu finden.
[Erik]: Wie läuft das Geschäft den momentan bei Deinen Kunden in etwa ab, wie kann man sich das vorstellen?
[Alex]: Aktuell ist es so, dass das Geschäftsmodell darauf basiert, dass man Sorten von der ganzen Welt nach Deutschland bringt, von unterschiedlichen Anbietern und diese Anbieter dann auch in Deutschland präsentiert – Green Karat wäre hier als Facility ein Beispiel aus Kanada.
Diese Unternehmen, bringen dann ihre exklusivsten Kultivare nach Deutschland, diese werden veredelt und anschließend dann als medizinisches Cannabis in den Markt gebracht.
[Erik]: Okay, also das heißt momentan veredelt ihr praktisch hauptsächlich Cannabisblüten für die pharmazeutische Verschreibung und fertigt darüber hinaus (noch)keine Extrakte, respektive extrahiert die jeweiligen Terpen-Profile.
[Alex]: Korrekt.

THCA, Decarboxylierung und Extrakte verständlich erklärt
[Erik]: Na was nicht ist kann ja noch werden, schauen wir mal.
In Vorbereitung auf die Messe las ich vor ein paar Tagen unter anderem einen Bericht zu THC, der mich irritierte. Hierin stand, dass Cannabis-Pflanzen kein THC aufweisen, sondern THC-A, welches nicht berauschend wirken soll, stimmt das?
[Alex]: Genau, also in der Pflanze haben wir die Säureform vorliegen – also THC-A Delta9, Tetrahydrocannabinol Säure – und diese muss aktiviert werden. Dies geschieht entweder im Körper leicht enzymatisch oder halt, wie es bei der klassischen Cannabisblüte der Fall ist, über die Erhitzung.
Das bedeutet das das Material entweder während der Verbrennung oder während des Verdampfens (im medizinischen Segment.) de-carboxyliert wird.
Es gibt mittlerweile interessante Forschungsansätze, bei denen bestimmte Symptome gezielt mit den Säureformen THCA, CBDA und weiteren Cannabinoidsäuren behandelt werden. Durch enzymatische Prozesse im Rahmen des First-Pass-Effekts kann zudem eine teilweise Aktivierung stattfinden.
Besonders sensible Patienten können darauf durchaus reagieren. Zusätzlich spielen weitere Inhaltsstoffe, insbesondere die Gesamtheit der vorhandenen Aromastoffe, eine wichtige Rolle.
[Erik]: OK, das ist interessant – das hieße ja, wenn man frische Blüten äße oder mit Live-Rosin aromatisiert, würde ein Rausch ausbleiben? Über die Jahrzehnte gab es aber doch immer wieder Berichte von Menschen oder auch Tieren, die nach dem Verzehr frischen Hanfes, sagen wir mal „koordinatorisch in Mitleidenschaft“ gezogen wurden.
Aber, OK – dann nochmal zum De-Carboxylieren, da sind ja ganz sicher auch die korrekten Temperaturen wichtig, oder?
[Alex]: Ja richtig, man muss sich die einzelnen Siedepunkte der Cannabinoide genau anschauen, denn die Decarboxylierung-Temperatur ist ja auch unterschiedlich. THC wird typischerweise bei Verdampfungstemperaturen zwischen etwa 157–180 °C effizient freigesetzt – CBD bei um die 170°C, weswegen der Verdampfungsprozess bei 180°C bis 210°C optimal ist, um die Cannabinoide zu aktivieren.
Wichtig: Hierbei handelt es sich nicht um den eigentlichen Siedepunkt, sondern um Temperaturbereiche, in denen die Aktivierung beziehungsweise Verdampfung im Rahmen des Erhitzungsprozesses stattfindet.
[Erik]: Okay, also das wäre dann der der klassische Einnahmeprozess von Blüten…und bei Extrakten ist es anders?
[Alex]: Extrakte müssen vorher bereits de-carboxyliert werden – das wird mit Hitze durchgeführt. Öle, orale Extrakte und Rosin zum Beispiel liegen nicht de-carboxyliert vor, das heißt dann als frisch gepresste Form, beispielsweise aus dem Eiswasser separiert.
Medizinische Cannabisöle und die meisten oralen Extrakte liegen bereits aktiviert beziehungsweise de-carboxyliert vor. Ausnahmen bilden beispielsweise bestimmte Live-Rosin- oder Live-Resin-Produkte.
[Erik]: Oder aus frischen Blüten?
[Alex]: Genau. Frische Blüten ginge auch, sprich mittels Eis-Separation der Trichome. Die erhaltenen Trichome werden dann gepresst und daraus dann final das enthaltende Life Rosin gewonnen – was dann aber auch immer THC beinhaltet, sofern die jeweilige Sorte welches aufweist.
[Erik]: Es gäbe für die Rausch freien Varianten meines Wissens nach auch einige kulinarisch sehr interessante Strains, was den Vorteil hätte das man auch ohne Bedenken Live-Rosin zum anschließenden Aromatisieren gewinnen könnte.
[Alex]: Ja, da gibt es einiges an interessanten und besonderen Strains, beispielsweise auch für das Aromatisieren von CBD-Edibles – wichtig ist dann aber, dass diese Strains stets <0,2% THC aufweisen (regulatorisch vom Einsatzzweck und Rechtsraum abhängig).
Rosin, Crumble und die Suche nach dem perfekten Aroma
[Erik]: Wenn es um das Aromatisieren geht, welche Basis erscheint Dir hier am besten geeignet – Terpen-Lösungen, Crumble, Rosin, frische Knospen?
[Alex]: Grundsätzlich muss vorab klar sein, ob die berauschende (THC, etc.) und oder auch die entzündungshemmende Komponente (Cannabidiol aka CBD, CBG, etc.) dabei sein darf, soll – möchte man rauschfrei aromatisieren müssen die vorhandenen Terpene & Phenole extrahiert werden.
[Erik]: Im Grunde erhält man je nach Extraktionsmethode auch unterschiedliche Texturen, beispielsweise beim Crumble die Körnigkeit.
[Alex]: Richtig – Also kurz noch mal Vakuum, Temperatur, Druck sind entscheidend, dadurch erhält man diese körnige Struktur des Crumble. Da enthalten ist THC-A also inaktiv und es wird aktiviert beim Verbrennen in THC.
[Erik]: …und das Crumble ist immer in der THC-A Form.
[Alex]: Ja, und es wird dann durch Wärme de-carboxyliert. Was das Aromatisieren angeht sicher ein großer Unterschied, denn hier sind auf Grund der zugeführten Wärme schon einige Oxidationen abgelaufen und jede Menge Terpene verloren gegangen.
[Erik]: Da eignet sich Crumble also nur bedingt für die Küche – aber natürlich mehr als schade für das Extrakt. Ziel sollte es ja immer sein das Maximum das machbare herauszuholen und nicht auf den letzten Metern wieder zu vernichten.
[Alex]: Ich persönlich bin ein großer Fan von Extrakten und beschäftige mich bereits seit zwei Jahren mit diesem Thema. Dabei bin ich ein großer Verfechter für die Extrakte, weil Extrakte sind einfach, wenn gut gemacht – muss man offen zugeben – echte „Terpen-Bomben“.

Der Entourage-Effekt und kulinarische Anwendungen
[Erik]: Glaubst Du, dass Terpene generell die Stimmung beeinflussen können und dass man dies beim Würzen von Speisen und Getränken nutzen könnte?
[Alex]: Ja – wenn du jetzt beispielsweise frische Aromen einatmest, so wie Citrus, Pinien – also kiefernartige Aromen oder auch ein bisschen so orangen Aromen, dann weckt es dich definitiv auf, aktiviert dich sozusagen – Apfelaromen wäre hier ein weiteres Beispiel.
[Erik]: Okay. Ja, das unterstützt genau die Richtung meines Ansatzes – neben der neuen Aromen Welt, die ins Haus steht, käme sozusagen eine Soulfood Komponente hinzu.
[Alex]: Ja sicher, aber die Kombinationen müssten gut recherchiert sein.
[Erik]: Ich muss auf jeden Fall Humboldt Seeds in Amerika besuchen, denn neben dem Spirit der das Unternehmen umgibt, faszinieren mich die vielen Genetiken dort – hier stehen die Terpene schon beim Entwurf neuer Strains im Mittelpunkt.
[Alex]: Ja, Humboldt hat wirklich ein paar tolle Strains. Wichtig ist es aber zu bedenken das jede Pflanze, ja jede Blüte ihren eigenen genetischen, aber auch chemischen Fingerabdruck hat.
[Erik]: Was bedeutet dies für die Ausprägung der Terpene – kommt auch darauf an, welchen Phänotyp man hat.
[Alex]: Wenn man zweimal die gleiche Genetik, aber zwei unterschiedliche Phänotypen hat, haben diese unterschiedliche Terpen Profile. Das ist für mich das Spannende dahinter.

Cannabis-derived vs. botanische Terpene
[Erik]: Welche Aspekte sprechen aus Deiner Sicht für die Verwendung von aus Cannabis gewonnenen Terpenen als Aromastoffe gegenüber, denen die beispielsweise aus Orangen, Tomaten oder Kiefern gewonnen werden?
[Alex]: Also ich bin ein großer Fan davon, Cannabis Derivate zu verwenden. Also Terpene, die aus der Cannabispflanze selbst isoliert werden, weil die halt einfach Pflanzen-Identical sind und nicht botanisch, also aus anderen Pflanzen als Cannabis.
[Erik]: Fair, man möchte schließlich immer die beste Qualität herausholen.
[Alex]: Genau, denn hierdurch erhältst du natürlich dann auch das komplette Terpen-/Phenol-Profil des jeweiligen Strains, respektive der jeweiligen Pflanze in deinem Extrakt.
[Erik]: Da gehe ich mit, aber Terpen-Spezialisten, wie CALI-Terpene beispielsweise hatten mir auch ein paar gute Argumente fürs „Nachbauen“ von Terpen-Profilen genannt – ich denke die Anwendung ist immer entscheidend
[Alex]: Es wird vor allem auch viel mit Botanical gearbeitet, weil die Basis günstiger ist – und natürlich auch einfacher zu erhalten. Aber ich bin und bleibe ein absoluter Freund von Cannabis Isolierten Terpenen – aber chemisch betrachtet ist es nahezu dasselbe.
[Erik]: Chemisch vielleicht, aber bei den wenigen Terpenen, die ich bisher vergleichen konnte, meine ich sehr schnell festgestellt zu haben welche nativ und welche „nachgebaut“ wirkten oder waren.
[Alex]: Die Chemische-Struktur der einzelnen Terpene unterscheidet sich nicht, aber persönlich empfinde auch ich einen Unterschied. Aus Cannabis gewonnene Terpene haben für mich einen intensiveren, aber nicht künstlichen Geschmack und eine ausbalancierte Konzentration.
[Erik]: Ja, auch aus kulinarischer Sicht sind diese weniger „rund“, weil „die Lücken“ nicht gefüllt sind. Somit ist das bestmögliche Erlebnis der Aromen nur durch die kombinierte Wirkung der Einzelstoffe möglich – fehlen einzelnen Komponenten ist es auch der Wirkung, z.B. Euphorisieren abträglich.
[Alex]: Genau, besonders was den Entourage Effekt angeht, was auch das Zusammenspiel mit THC und CBD angeht. Wenn man es also gut hinbekommt die Essenz zu isolieren und dann zum Beispiel in spezielle Drinkables oder Edibles mit einarbeitet, ist das natürlich ein absolutes Highlight.
[Erik]: Okay, dass das klingt ja verheißungsvoll für neue Produkt-Innovationen.
[Alex]: Der Voll Spektrum Effekt ist entscheidend. Das ist ja beim Essen ebenso wichtig, denn die Speisen müssen ja auch rund sein – und wirklich rund können sie nur sein, wenn die besten Zutaten in bester Qualität Verwendung finden.

Qualität, Lagerung und Verlust empfindlicher Terpene
[Erik]: Okay, die beste Qualität ist ein gutes Stichwort – was machen Faktoren wie Zeit, Wärme, Transport mit den schützenswerten Terpenen?
[Alex]: Bereits, wenn du den Erntezeitpunkt überschreitest, fangen die Degradierung der Terpene und die Oxidationen an. Einige Monoterpene sind bereits bei Raumtemperatur sehr flüchtig und können bei unsachgemäßer Lagerung oder Verarbeitung schrittweise verloren gehen, und dies bereits um die 17°C (also bereits unter Raumtemperatur).
[Erik]: Okay, das setzt natürlich eine Menge Aufwand – vor allem auch technischen vorraus.
[Alex]: Ja, deswegen ist es super wichtig, den Degradierungsprozess möglichst kurz und schonend zu halten. Der Erfolg liegt vor allem darin mit schonenden Temperaturen zu arbeiten – mit einer guten Luftfeuchtigkeit, bei einer guten Durchlüftung.
Während der Kultivierung, insbesondere aber gegen Ende der Blütephase, sehe ich sehr häufig Qualitäten, die kaum noch Terpene aufweisen. Diese wachsen bereits unter sehr hohen Temperaturen – beispielsweise in Portugal – auf und werden ebenso unter solchen verarbeitet, da bleiben einige Terpene auf der Strecke.
[Erik]: Ich dachte immer Cannabis-Pflanzen kommen von Hause aus gut mit höheren Temperaturen klar.
[Alex]: Grundsätzlich ja, aber Temperatur killt halt irgendwann alle Terpene, aber lasse Dich auch nicht täuschen, wenn du eine Blüte hast die extrem kräftig duftet – ist das meist nicht das beste Zeichen. Eine gute & saubere Blüte darf erst riechen, wenn diese zerkleinert wird.
[Erik]: Okay, das passt ein wenig zu dem was ich so hier & da bei Terpen-Produzenten aufgeschnappt habe. Gerade wo Terpene heutzutage so einfach zu bekommen sind, werden weniger gute Cannabis-Qualitäten oft kommentarlos mit Terpen-Lösungen besprüht und vermeintlich aufgewertet.
[Alex]: Genau, das gibt es natürlich das hier nachgeholfen wird. Das ist halt so ein unschöner Punkt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, um den ganzen Körper eines Cannabis Terpen-Profils durch Extraktion einfangen zu können, musst Du stets schonend arbeiten, was Trocknung, Trimming & Transport angeht und alle Prozesse & Parameter, Temperatur & Luftfeuchte beachten – das muss passen, vor allen in der Blüte Phase.
[Erik]: Dem steht die Schnelllebigkeit des Marktes allerdings – ich denke mal – überwiegend, entgegen.
[Alex]: Aktuell funktioniert der Markt so, dass sehr, sehr viele Leute nur auf den THC & CBD-anteil schauen. Hier bestimmen Fragen wie: „Wie einfach ist die gute Pflanze anzubauen? Ja, wie schnell ist sie zu ernten?“
Für mich ist es so – Je mehr Qualität im Anbauprozess steckt, je mehr Terpene & Phenole du in der Pflanze konservieren kannst – und somit auch in den Blüten – desto größer und qualitativ hochwertiger wird das Spektrum sein, was du als Qualität erhalten wirst.
[Erik]: …und letztendlich ist dies, die Qualität die wir in der kulinarischen „Speisekammer-Bibliothek“ der Küche brauchen.
[Alex]: Aromen sind alles, was Cannabis ausmachen. Nur so kannst du sie unterscheiden. Nach THC kannst du sie nicht unterscheiden und nach den vielen blumigen Namen auch nicht.
[Erik]: Ja, die Kreativität geht hier oft durch die Decke – was ich hier auf der Messe schon an Blueberry oder Pineapple-Variationen gehört und gelesen habe…
Für die kulinarische Verwendung sind Hinweise auf die Richtung der Aromen über den jeweiligen Strain-Namen momentan aber leider unerlässlich. Da lauert natürlich einiges an Überraschungspotential, aber das auf Terpen-Profilen basierte Kochbuch für den Hobbykoch bis hin zum Chef der molekularen Küche muss ich erst noch schreiben…😉
[Alex]: Da bin ich ja gespannt, reserviere mir gerne ein Exemplar.

Der Terpen-Kompass für Küche und Gastronomie
[Erik]: Ich hatte während der Vorab-Recherche schon überlegt, ob man für das Kochen mit Terpenen nicht ein System entwickeln kann, das so wie bei den Komplementärfarben funktioniert.
Beispielsweise eine kreisrunde Darstellung, bei der die bekanntesten und am besten hinterfragten Terpene nebeneinander angeordnet sind. Ich könnte mir vorstellen, dass hier dann auch Eigenschaften gegenüberliegender Terpene und deren Zusammenspiel und Wechselwirkung abgebildet werden könnten.
[Alex]: Es gibt Studien, die das zeigen – Also wir haben Untersuchungen im Markt, zum Beispiel eine mit rund 140 Strains/Sorten. Hier wurde bei insgesamt 38 Strains/Sorten Citral gefunden, neun Hauptterpene, wie Beta-Caryophyllen und Limonen konnten auch in Menge und Verhältnis bestimmt werden.
Hieraus wurden diese ganzen medizinischen Cannabisblüten in sechs Cluster Einheiten eingeteilt und mit dem jeweiligen Terpen-Profil für die Statistik erfasst.
Hieraus kannst du sicher auch einiges für Deine kulinarische Anwendung – auch ganz ohne Rausch – spezifizieren.
[Erik]: Das klingt sehr interessant – ich persönlich denke, dass wenn man dem Wohlgesonnenen „Sterne-Chef“ hiermit etwas Grafischem, leicht verständlichem aber dennoch Komplexem – ähnlich der erwähnten Komplementärfarben Grafik – an die Hand geben könnte, um in der Küche leichtfüßig mit Terpenen umgehen zu können, wäre dies ein echter Door-Opener für Terpene überhaupt.
[Alex]: Ja, das könnte natürlich funktionieren.
Einfluss von Genetik, Phänotyp und Anbaumethode
[Erik]: Insbesondere für den kulinarischen Gebrauch ist es wichtig, dass der Geschmack und das „Verhalten“ der Zutaten möglichst wenig variieren – denn man möchte ja immer wieder das gleiche Geschmackserlebnis erzielen.
Inwieweit verändert sich also der „Terpen-Fingerabdruck“ der jeweiligen Sorten, je nachdem, ob sie im Freien, in einem Zelt oder mit unterschiedlichen Anbaumethoden wie Erde, Hydrokultur usw. angebaut werden aus Deiner Sicht?
[Alex]: Hier gibt es tatsächlich deutliche Unterschiede. Untersuchungen zeigen, dass unter kontrollierten Indoor-Bedingungen teilweise andere Terpenprofile und Cannabinoid-Zusammensetzungen entstehen als bei Outdoor-Kultivaren.
Der Anteil bestimmter Monoterpene ist unter natürlicher Sonneneinstrahlung häufig höher, während Indoor-Kultivare durch gezielte Steuerung von Umweltfaktoren andere Schwerpunkte entwickeln können. Ähnliche Unterschiede finden sich auch bei den Cannabinoiden.
Gerade bei Freilandkulturen lassen sich häufiger seltene Cannabinoide nachweisen, die bei stark standardisierten Indoor-Kulturen oftmals weniger ausgeprägt vorkommen.

Fazit und Ausblick
[Erik]: Ich bemerke von Tag zu Tag wie mein Thema des Aromatisierens mit Terpenen Zusehens „aufgeht wie ein Hefekloß“ – um die vielen Bereiche, die letztendlich für eine hohe Qualität & Güte der Terpene eine Rolle spielen wissens-technisch abzudecken, bräuchten es im Grunde ein mehrjähriges Studium.
Nicht zuletzt deshalb ist unsere Zeit nur so dahingeschmolzen – Alex, ich danke Dir für die vielen Informationen, insbesondere die technischen Details die sicher kaum jemand so gut kennt wie Du.
Vielen Dank für Deine Zeit, ich konnte vieles Interessantes und Neues hinzulernen und habe natürlich auch Lust bekommen Dir beim Extrahieren einmal über die Schulter kucken zu dürfen.
Viel Spaß weiterhin auf der Berlin Mary Jane 2025!
Wir sehen uns, Erik
Der Pharma-Pionier aus Mannheim – Alexander Daske
Wenn in der deutschen Cannabisbranche von pharmazeutischer Exzellenz die Rede ist, fällt unweigerlich der Name Alexander Daske. Der approbierte Apotheker hat sich innerhalb weniger Jahre von der Laborleitung in einer der größten Cannabis-Fachapotheken Deutschlands zum gefragten strategischen Berater auf internationalem Parkett entwickelt (Grow Group, o.D.; LinkedIn, 2026).
Daskes Ansatz ist dabei stets wissenschaftsgetrieben: Ihn fasziniert nicht nur die Pflanze als Ganzes, sondern vor allem das Potenzial komplexer Wirkstoffprofile für die Behandlung bisher unzureichend therapierter Krankheiten (Grow Group, o.D.).
Mit der Eröffnung seiner eigenen Christophorus Apotheke Mannheim im Januar 2026 hat Daske nun einen Ort geschaffen, an dem seine Vision von moderner Patientenversorgung und evidenzbasierter Aufklärung Realität wird (LinkedIn, 2025). Als Pharmaceutical Science Lead bei GROW® Deutschland verbindet er zudem die operative Apothekenpraxis mit globaler Produktinnovation.
In den sozialen Medien, insbesondere auf LinkedIn, gilt er als einer der einflussreichsten Stimmen („Influencer“) der Branche, der den Diskurs um Qualitätsstandards und Versorgungssicherheit maßgeblich prägt (Apotheke Adhoc, 2025; NRWision, 2025).
Wichtige Meilensteine sowie Zahlen & Fakten auf einen Blick
- 2019: Erste Tätigkeiten im Bereich des medizinischen Cannabis.
- 2020: Tätigkeit als Laborleiter einer Mannheimer Apotheke.
- 2021: Aufnahme der freiberuflichen Beratungstätigkeit für die Industrie.
- 2023/24: Mitwirkung an der Entwicklung exklusiver Genetik und neuer Go-to-Market-Strategien für den deutschen Markt.
- April 2025: Ernennung zum Pharmaceutical Science Lead.
- Januar 2026: Gründung, Eröffnung und Inhaberschaft der Christophorus Apotheke Mannheim.
- Aktivitäten: Alexander Daske ist besonders active auf LinkedIn, wo er regelmäßig Fachbeiträge teilt, sowie als Experte in Podcasts (z.B. „VCA-Hanfgespräch“) und Webinaren präsent.
Ursprünge und Anfänge (2012 – 2019)
In dieser Phase legte Alexander Daske das wissenschaftliche Fundament für seine heutige Expertenrolle.
- Studium: Pharmaziestudium an der Johannes-Gutenberg Universität Mainz.
- Approbation: Erhalt der Approbation als Apotheker und erste Erfahrungen im klassischen pharmazeutischen Sektor.
- Wissenschaftlicher Fokus: Frühe Auseinandersetzung mit pflanzlichen Arzneimitteln und der Komplexität von Wirkstoffkompositionen.
Formelle Gründung und Etablierung (2020 – 2024)
Daske entwickelte sich zu einer prägenden Figur im deutschen Medizinal-Cannabis Markt, insbesondere durch seine Arbeit in Mannheim.
- Apotheke: Ab Januar 2020 übernahm er die Position als Labor- und Versandleiter im Cannabisbereich einer Apotheke in Mannheim. Er baute dort eines der größten spezialisierten Teams Deutschlands auf.
- Beratungstätigkeit: Start seiner Arbeit als externer Berater (seit Jan. 2021) für Unternehmen der Cannabisbranche mit Fokus auf Produktinnovation und Markteintrittsstrategien.
- Referent: Etablierung als gefragter Speaker und Referent (u.a. für APOTHEKE ADHOC) zur Aufklärung über medizinisches Cannabis.
Revolution durch Fachspezialisierung (2024 – 2025)
Übertragene Phase: Statt Pflanzen-Feminisierung steht hier die „Veredelung“ der Branche durch pharmazeutische Standards und Forschung im Fokus.
- Produktentwicklung: Intensivierung der Forschung an innovativen Darreichungsformen und der Untersuchung des „Entourage-Effekts“ der Pflanze.
- Grow Group: Übernahme der Rolle als Pharmaceutical Science Lead und VP bei der GROW® Deutschland GmbH (April 2025).
- Wissenschaftlicher Beirat: Daske berät Investoren und Firmen zu Qualitätskontrolle und der Sicherung von Wertschöpfungsketten.
Innovationen und die Ära der Eigenständigkeit (2026 – Heute)
Mit dem Inkrafttreten der neuen Gesetzgebung und dem wachsenden Markt vollzieht Daske den Schritt zum Unternehmensinhaber.
- Christophorus Apotheke Mannheim: Offizielle Eröffnung und Inhaberschaft seiner eigenen Apotheke im Januar 2026.
- Education & Aufklärung: Fokus auf großflächige Patientenaufklärung und Fortbildung für medizinisches Fachpersonal.
- Multisystem-Erkrankungen: Verstärktes Engagement in der Erforschung von Cannabis-Therapien für komplexe Krankheitsbilder.
Quellen








