Wie in jedem Jahr gaben sich auch 2024 alle Frucht-Begeisterten in den Hallen der Messe-Berlin wieder ein Stelldichein. So hat natürlich auch das Foodadvisorblog-Team die „beschwerliche“ Reise in die deutsche Hauptstadt auf sich genommen, um Euch davon berichten zu können.
Beim diesjährigen Beitrag haben wir neben einem kurzen persönlichen Messerundgang, diesmal etwas eingehender und unter Zuhilfenahme von KI zu den Branchentrends, sowie zu Zahlen & Fakten recherchiert – gebt uns gerne Feedback, ob Euch die Aufbereitung zusagt.
Auf der Messe
Mein ganz besonderes Highlight – Auf der diesjährigen FRUIT LOGISTICA war es endlich soweit, ein befreundeter Aussteller hat mir doch tatsächlich eine Packung mit gefriergetrockneten Miracle-Berry`s (Synsepalum dulcificum) mitgebracht – vielen Dank dafür HLB!
Ich denke ich hatte es in dem einen oder anderen Beitrag sicher schon erwähnt. Wenn man das Fruchtfleisch der „Mirakel-Beere“ über einige Minuten kaut und im Mund verteilt, kann man im Anschluss daran saure und bittere Speisen, insbesondere Früchte wie beispielsweise Limonen, essen ohne Säure oder bitteren Geschmack wahrzunehmen.
Dies gibt uns die Möglichkeit, die vielen weiteren Aromen einer Frucht zu schmecken, die ansonsten durch die Säure untergehen – so schmeckt dann der Biss in eine echte Limone dann recht süß und offenbart die vielen Phenole und Terpene die sonst im Verborgenen bleiben – so wird die sonst so liebliche Vanillenote endlich „greifbar“.
Eine super Sache und tolle Erfahrung – die Wirkung hielt bei uns ungefähr 15-20 Minuten an – wobei wir gefriergetrocknete Beeren hatten. Wie bei so vielen Früchten die wir gerne auch mal frisch probieren würden, ist es auch bei der Miracle Berry äußerst schwierig an dies frischen Früchte zu gelangen, leider.
Ursächlich für den Effekt ist das Glykoprotein Miraculin – dieses Protein bewirkt, dass Sauerers & Bitteres für kurze Zeit süß schmecken, wobei sich das Protein an unsere Geschmacksrezeptoren bindet.
Miracle-Berry stammt aus dem Westen Afrikas – vor allem aus Ghana, ist aber auch in Kamerun & Nigeria zu finden. Neben der rein kulinarischen Verwendung werden die Beeren auch in der Medizin, beispielsweise um Patienten mit Geschmackstörungen zu helfen, genutzt.
Solltet Ihr die Gelegenheit erhalten die Miracle Berry mal selber ausprobieren zu können – ergreift sie, es ist wirklich eine einzigartige Erfahrung.
Messe-Restaurant
In diesem Jahr gab es einen „bayerischen Biergarten“ – wo man „authentisches Bayrisches Essen“ bekommen sollte.
Na, so eine Ansage – nichts wie hin…unsere ad hoc Vorstellung war sogleich, etwas in der Qualität zu bekommen wie beispielsweise in der bayerischen Restauration der Cebit in Hannover.
Na, sagen wir mal unsere Erwartungen wurden nicht in Gänze erfüllt…
Muscat-Traube
Eine Frucht mit der wir bis dato kaum bis gar keine Erfahrungen gemacht hatten – die aber in China eine „ganz Große“ ist, ist die kernlose Muscat-Traube. Dieses „Gewächs“ schmeckt gekühlt am besten, die Konsistenz ist durchgängig gleich – sie schmeckte verhalten saftig und war offenbar auf den Punkt geerntet worden.
Man merkte dem Produkt in jedem Fall die Sorgfalt an, mit der es angebaut wurde – die Früchte sahen durchweg fantastisch aus – hier hätte ich gerne auch mal eine ganze Rebe in gleicher, praller Qualität von einer Syrah-Taube.
Beekers Berries
Das Unternehmen Beekers hat uns in diesem Jahr einen neuen Blick auf Beeren & Co vermittelt. Die gekühlt & befeuchteten Messe-Auslagen ließen bei uns das kulinarische Herz aufgehen – natürlich waren die Früchte durchweg von brillanter Qualität, optisch wie handverlesen.
Am beeindruckendsten war allerdings das Geschmackserlebnis bei der Verkostung, insbesondere beim den „weißen Erdbeeren“ – eine Frucht die möglichst direkt nach der Ernte verzehrt werden möchte.
Beim Anbau nicht ganz so ertragreich wie ihre rote Schwester, glänzt diese Erdbeer-Variante mit einer betörenden Süße und einer leichten Säure, insgesamt stark zu einem Ananas-Geschmack tendierend.
Erdbeeren an sich, waren wohl von Natur aus eher hell und wurde ganz bewusst vom Menschen in Richtung der roten Variationen gezüchtet, womit die Reise wieder in Richtung der natürlichen Merkmale unserer „altbekannten“ Lieblingsfrucht geht.
Soweit zu einigen unsere Stationen auf der FRUIT LOGISTICA 2024 in Berlin, nun gehen wir näher auf die Themen und Zahlen ein, die die diesjährige Messe „bewegt“ haben.
Wie sich die Frischwarenbranche strategisch neu aufstellt
Vom 7. bis 9. Februar 2024 wurde das Berliner Messegelände erneut zum globalen Treffpunkt der Obst- und Gemüsewirtschaft. Die Fruit Logistica 2024 zeigte deutlich, wie sich eine traditionell produktzentrierte Branche zu einem technologiegetriebenen, nachhaltigkeitsorientierten und systemisch vernetzten Ökosystem entwickelt.
Für foodadvisorblog.de liefert diese Messe nicht nur Trendbeobachtungen, sondern belastbare Indikatoren für die strategische Neuordnung von Wertschöpfung, Effizienz und internationaler Kooperation.
Benchmark der globalen Branche – Zahlen, Fakten, Struktur
Mit über 66.000 Fachbesucherinnen und -besuchern bestätigte die Fruit Logistica 2024 ihre Rolle als weltweit führende Fachmesse für den Frischwarenhandel. Hinzu kamen mehr als 24.000 Mitarbeitende der ausstellenden Unternehmen sowie rund 450 akkreditierte Medienvertretende.
Insgesamt präsentierten sich 2.770 Aussteller aus 94 Ländern, während die Fachbesucher aus 145 Nationen anreisten. Diese Zahlen unterstreichen die anhaltende Internationalisierung der Branche. Ein hoher Anteil der Besucher befand sich in leitenden oder geschäftsführenden Positionen, was die Messe als operativen Handelsplatz mit unmittelbarer Relevanz für globale Lieferketten positioniert.
Business-Charakter und Abschlussqualität
Die Fruit Logistica 2024 war klar geschäftsorientiert ausgerichtet. Der Fokus lag auf konkreten Vertragsverhandlungen, Lieferkettenintegration und strategischen Partnerschaften.
- Mehr als 50 % der Aussteller tätigten bereits während der Messe konkrete Geschäftsabschlüsse.
- Über 80 % der Fachbesucher knüpften neue geschäftsrelevante Kontakte.
- Mehr als 90 % bewerteten die Veranstaltung insgesamt positiv und signalisierten Wiederkehrabsicht.
Diese Kennzahlen bestätigen die Rolle der Messe als effektiven Marktplatz für reale Business-Entscheidungen – auch in einem wirtschaftlich herausfordernden Umfeld.
Innovation Award 2024 – Substanz vor Inszenierung
FLIA – Fresh Produce 2024
Der Innovation Award in der Kategorie Fresh Produce ging 2024 an das spanische Unternehmen Unica Fresh für das Produkt „Zucchiolo“. Die Innovation kombiniert optisch die Anmutung einer Zucchini mit geschmacklichen Eigenschaften einer Gurke. Das Produkt ist roh verzehrbar und zugleich kochfähig und schafft damit eine neue Kategorie zwischen zwei etablierten Gemüsesegmenten.
FLIA – Technology 2024
In der Kategorie Technology wurde erstmals das niederländische Unternehmen Koppert ausgezeichnet. Die prämierte Lösung „Mirical“ ermöglicht biologische Schädlingsbekämpfung mittels Nützlingen in vollständig kompostierbaren Kartonträgern. Diese Innovation verbessert die Effizienz im Gewächshausanbau und reduziert zugleich Kunststoffabfälle.
Beide Gewinner zeigen exemplarisch: Innovation in der Frischwarenbranche bedeutet heute funktionale, messbare Mehrwerte entlang der Wertschöpfungskette.
Strategische Branchentrends 2024
Internationalisierung als strukturelle Konstante
- Die globale Vernetzung bleibt Kernstrategie der Obst- und Gemüsewirtschaft. Exportorientierung und Lieferkettenintegration stehen weiterhin im Fokus.
Geschäftsorientierung dominiert
- Der hohe Anteil konkreter Vertragsabschlüsse unterstreicht die Transformation von der Präsentationsplattform zum operativen Handelsplatz.
Nachhaltigkeit wird operationalisiert
- Nachhaltigkeit zeigte sich in messbaren Lösungen – von kompostierbaren Verpackungen bis zu biologischen Pflanzenschutzsystemen.
Technologie als systemischer Kern
- Digitale Prozesse, Datenintegration und technologische Systemlösungen sind kein Add-on mehr, sondern zentraler Bestandteil moderner Frischwarenstrategien.
Strategische Einordnung für die Branche
Die Fruit Logistica 2024 markiert eine Reifephase der globalen Frischwarenwirtschaft. Produktqualität bleibt essenziell, doch zunehmend entscheiden zusätzliche Faktoren:
- Integration in globale Supply Chains
- Resilienz gegenüber geopolitischen Risiken
- Technologische Effizienzsteigerung
- Nachhaltige Prozessinnovationen
Unternehmen müssen heute mehr liefern als physische Ware – sie müssen Systemlösungen anbieten.
Fazit: Mehr als eine Messe
Die Fruit Logistica 2024 fungierte erneut als Barometer, Taktgeber und Marktplatz zugleich. In Zeiten regulatorischer Anforderungen, Klimarisiken und geopolitischer Unsicherheiten ist die strategische Neuausrichtung der Branche keine Option, sondern betriebswirtschaftliche Notwendigkeit.
Quellen
- Fruit Logistica 2024 – Abschlussbericht, Messe Berlin GmbH
- Pressemitteilung: Innovation Awards 2024 – FLIA und FLIA Technology Winners Announced
- Food & Beverage Business (2024): Messeauswertung
- Postharvest.biz (2024): Branchenbericht
- Produce Business (2024): FLIA-Berichterstattung
Bei der Erstellung dieses Beitrags wurden während der Recherche KI-gestützte Systeme eingesetzt, darunter OpenAI ChatGPT, Google Gemini sowie Anthropic Claude. Die KI-Nutzung erfolgte hierbei ausschließlich als Hilfsmittel. Auswahl, Bewertung, redaktionelle Einordnung, Strukturierung und Formulierung, die Überprüfung der Inhalte sowie die Wahrung journalistischer Sorgfaltspflichten und urheberrechtlicher Vorgaben oblagen und obliegen dem Herausgeber.



























